August 2017

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Auf den Spuren mongolischer Postreiter


Schnelle Post bei den Mongolen

Die Mongolen waren ein Steppenvolk aus dem Süden Sibiriens. Sie siedelten auf einer Hochebene nördlich vom heutigen China. Sie bestanden aus vielen einzelnen Stämmen, die immer wieder miteinander kämpften. Im Jahr 1206 wurden sie von Dschingis Khan, was so viel wie höchster Herrscher bedeutet, geeint. Dschingis Khan war nicht nur ein großer Kämpfer, sondern auch ein geschickter Politiker, der die einzelnen Mongolenstämme überzeugen konnte, sich ihm anzuschließen.

Bekannt wurden die Mongolen vor allem für ihre schnellen Reiter. Sie waren sehr geschickt im Umgang mit Pfeil und Bogen und konnten von den galoppierenden Pferden aus ihre Feinde treffen.

Die Mongolenreiter eroberten den gesamten asiatischen Kontinent und wollten auch den Rest der damals bekannten Welt dem Mongolenreich anschließen. So gelang es dem Sohn von Dschingis Khan mit dem Namen Ügedei (auch Ögedei) Khan bis nach Wien vorzudringen. Dessen  Nachfolger waren Kublai Khan und Hülägü Khan, sie setzten die Ausdehnung des Mongolenreiches fort. Kublai Khan gelang die Eroberung Chinas und Hülägü konnte bis nach Syrien vorstoßen.

Bekannt waren die Mongolen auch für ihr Postsystem. Mit Hilfe der schnellen Reiter konnten sie in ihrem gigantisch großen Reich schnell Nachrichten verbreiten. Sie wechselten an Stationen, die relativ nahe beieinander lagen, die Pferde und konnten so vom hintersten Winkel des Reiches alle Regionen erreichen. Der Erfolg der Mongolen beruhte auch zum Teil auf dieser schnellen Nachrichtenübermittlung.

Im 14. Jahrhundert war das Mongolenreich das größte Reich aller Zeiten, das sich über 30 Millionen Quadratmeter erstreckte.

Marco Polo schätzte seinerzeit, dass rund 10.000 Postreiter mit rund 300.000 Pferden im Mongolenreich im Einsatz waren.

Das Reich war überzogen mit einem Netz von "Urton" genannten Poststationen, wo dienstpflichtige freie Mongolen lebten, die Pferde oder Kamele für die Postreiter bereitzustellen hatten - ganz ähnlich dem Pony-Express in den USA. Außerdem hatten die Urton-Verwalter Schafen und Ziegen, um auch für die Verpflegung der Postreiter und privilegierten Reisenden zu sorgen. Der Begriff Urton, der diese Poststationen bezeichnet, gilt auch als eine Entfernungsangabe. Dabei wird damit aber nicht die Entfernung in Form von Kilometern gemeint, sondern die Entfernung, die ein durchschnittliches Reittier in geländeangepasst maximaler Geschwindigkeit zurücklegen konnte. Auf der Ebene der Steppe konnte ein solches Pferd etwa eine halbe Stunde galoppieren und in dieser Zeit legte es etwa 20 Kilometer zurück. Nach dieser Anstrengung musste es gewechselt werden. Dieses Maß "Urton" ist heute noch immer die Entfernung für die Pferderennen des Naadam, des mongolischen Nationalfeiertags.

Damals war es nicht üblich, wichtige Botschaften schriftlich zu übermitteln, u.a. auch deshalb, weil der Empfänger womöglich nicht lesen konnte. Deshalb wurden solche Botschaften von den Kurieren auswendig gelernt. Es war also wichtig, dass der Bote selbst den ganzen Weg zurücklegte. Als größte glaubhaft übermittelte Entfernung, die ein solcher Bote an einem Tag zurückgelegt hat, werden knapp 1000 Kilometer angegeben. Dies entspricht aber ziemlich genau einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Kilometern in der Stunde - eine Entfernung, die in freier Steppe im Urtonsystem abgedeckt ist - vorausgesetzt, der Reiter hält durch.

Schnelle Post bei den Mongolen
Schnelle Post bei den Mongolen

Von der sibirischen Taiga bis in die mongolischen Steppen

Denkt man an Sibirien fallen mir Begriffe wie: Straflager, Verbannung, arktische Kälte im Winter, blutsaugende Mückenschwärme im Sommer, große Rohstoffreichtümer ein.

Sibirien ist also ein Land der Superlative - unendlich weit, unvorstellbar kalt, voller Bodenschätze und interessanter Menschen.

Man muss Sibirien bereist haben, um die Schönheit und Vielfalt dieser Landschaft zu mögen. Ganz zu schweigen von den vielen Bevölkerungsgruppen, die als Kaufleute, Abenteurer, Verbannte, Strafgefangene nach Sibirien gekommen sind. Heute sind nur noch ein kleiner Prozentsatz der Einwohner Sibiriens "Ureinwohner" des Landes. Es sind ethnische Gruppen wie die Burjäten, die sibirischen Tataren, Ostjaken, Jakuten und andere.

Als Sibirien bezeichnet man im weitesten Sinne den ganzen nordasiatischen Teil der Russischen Föderation. Es wird im Westen begrenzt vom Ural, im Norden vom Arktischen Ozean, im Osten vom Pazifik und im Süden von der Volksrepublik China, der Mongolei und Kasachstan.

Mit einer Größe von mehr als zehn Millionen Quadratkilometern ist Sibirien größer als jedes andere Land der Erde. 7000 Kilometer zieht es sich von Ost nach West, 3500 Kilometer von Nord nach Süd. Das riesenhafte Gebiet unterteilt sich in mehrere Vegetationszonen: arktische Kältewüste, Tundra, Taiga und Steppe. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt circa null Grad Celsius.

Im engeren Sinn versteht man unter Sibirien fünf der acht russischen Großlandschaften: das große Westsibirische Tiefland, das Nordsibirische Tiefland, die Mitteljakutische Niederung, das Mittelsibirische Bergland und das Südsibirischen Gebirge. Ostsibirien (zwei weitere Großlandschaften östlich der Lena) und die südöstlichsten Gebiete Russlands zwischen Amur und Pazifikküste werden hingegen auch als Russisch Fernost bezeichnet.

In Sibirien lebten schon sehr lange Menschen. Es sind Höhlenmalereien bekannt, die auf eiszeitliche Jägergruppen deuten. Die Lebensweisen im weiten Raum Sibiriens waren stark klimaabhängig.
Im Süden, wo das Klima milder und das Land fruchtbarer war, konnte sich die Bevölkerung von Viehzucht und Ackerbau ernähren. Im Norden hingegen war das Klima rau und feucht. Ackerbau war kaum möglich, so dass dieser Raum erst viel später besiedelt wurde. Lebensgrundlage im Norden bildete die Rentierzucht. Das Lebensniveau war sehr niedrig.

Seit dem 13. Jahrhundert dominierten die Mongolen, die viele Stämme in ganz Mittelasien, Westsibirien und Osteuropa unterwarfen. Bis ins 15. Jahrhundert hinein beherrschen die Mongolen weite Teile Sibiriens. Ganz im Westen der Region liegt das mongolische Khanat "Sibir", das der Region bis heute ihren Namen gibt. "Sibir" heißt übersetzt die "Schlafende", aber zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist es aus und vorbei mit dem Schlaf des riesigen Landes östlich des Urals. Zu groß sind die Versuchungen, sich die vielfältigen Schätze und Reichtümer des Landes einzuverleiben.

Die koloniale Erschließung Sibiriens begann im 16. Jahrhundert mit den russischen Eroberungszügen der Familie Stroganow. Sie "erkauften" sich das Land "Sibier", indem sie es durch Kosaken erobern ließen, Militär- und Handelsstützpunkte bauten und Handel betrieben. Die Kosaken stießen im Osten auf sehr geringen Widerstand. Das Handelsgut der Stroganows waren vor allem Pelze. Um 1600 hatten die Kosaken das Gebiet am Fluss Ob erreicht, drangen 1620 zum Jenissei vor und erreichten 1650 die Lena. 1639 waren sie am Pazifik und 1640 schließlich an der Beringstraße angelangt. 1699 konnten Sie die Insel Kamtschatka erobern.

Sibirien hat mich schon immer fasziniert und habe dieses Land gern bereist. 2013 bin ich im Winter zu Fuß über den zugefrorenen Baikalsee gewandert und habe Burjatien besucht, 2016 habe ich im Spätsommer Kamtschatka bereist.

Jetzt wollte ich die Region Altai und Tuwa besuchen. Im Jahr 2009 und 2014 stand ich in der Mongolei vor dem Tavan Bogd und habe Richtung Russland und China geschaut. Diesmal wollte ich von der Republik Altai aus in die entgegengesetzte Richtung schauen. Doch dazu musste ich erst einmal das Ukok Plateau erreichen.

Inspiriert von den frühen mongolischen Postreitern wurde eine Reiseroute erarbeitet, die mich von Barnaul, durch die Republiken Altai, Tuwa bis nach Ulaanbataar in die Mongolei führen sollte. Am Ende war ich 4.250km unterwegs, davon nur 1.400km auf asphaltierten Straßen.

Mit dabei: Meine Reisefreunde Günter Lennert und Johann Kullanek. Unsre Expeditionsteam bestand aus Dima Senior, Fahrer und Guide, Wladimir, Fahrer und Bergführer, Dima Junior Koch und Bergführer, Andrej Fahrer und Dolmetscher. Mit 3 Fahrzeugen waren wir unterwegs. Beladen mit Verpflegung, Küchengerät, Zelten, Schlafsäcken, Material und Werkzeug.

Route
Das Expeditionsteam
Das Expeditionsteam
Das Expeditionsteam
Auf den Spuren mongolischer Postreiter
Auf den Spuren mongolischer Postreiter

Von Barnaul zum Telezkoje See

Von Frankfurt kommend bin ich in Barnaul gelandet. Barnaul ist die Hauptstadt der russischen Region Altai im Süden Westsibiriens. Die Stadt befindet sich 200km südöstlich von Nowosibirsk und 280km von der Grenze zu Kasachstan. Sie liegt am westsibirischen Hauptfluss Ob am Ostrand der Barabasteppe in sandiger Gegend. Barnaul ist eine der ältesten Städte Westsibiriens. Sie wurde 1730 als Kosakenfort gegründet und ist seit 1771 Stadt.

Die Republik Altai liegt im südwestlichen Sibirien im nördlichen Altaigebirge (Russischer oder Hoher Altai). Sie grenzt an Kasachstan, China und die Mongolei. Aufgrund der malerischen Lage im Gebirge mit vielen Seen und Flüssen wurde der Region die Bezeichnung „Russisches Tibet“ gegeben. Im Bergmassiv der Belucha erreicht das Gebirge an der Grenze zu Kasachstan eine Höhe von 4506m. In der Republik haben die zwei Quellflüsse des Ob ihren Ursprung, der dem gleichnamigen Gletscher an der Südwestflanke der Belucha entfließende Katun sowie die Bija als Abfluss des Telezker Sees, eines der tiefsten Seen Russlands

Am Flughafen erwartet mich Andrej. Mit ihm hatte ich mich im vergangenen Jahr getroffen und die Expedition vorbereitet. Dima Senior, Fahrer und Guide, Wladimir Fahrer und Bergführer, sowie Dima Junior unseren Koch lerne ich erstmals kennen. Andrej wird mich die nächsten Wochen fahren. Er ist auch unser Dolmetscher.

Von Barnaul geht es auf dem Tschuiski trakt Richtung Telezkoje See. Die R256 Tschuiski trakt ist eine Fernstraße im südwestlichen Sibirien in Russland. Sie führt von der Metropole Nowosibirsk in südlicher Richtung über Barnaul nach Gorno-Altaisk und dann nach Südosten durch das Altai-Gebirge nach Taschanta an der mongolischen Grenze.

Der Name Tschuiski trakt bezieht sich auf die Tschuja, einen Nebenfluss des Katun, in dessen Tal die Straße den Altai von der Flussmündung oberhalb Inja durchquert. Trakt ist die traditionelle russische Bezeichnung für Fern- oder ursprünglich Poststraßen. Den Trakt nennt man auch Straße des Todes., weil er von Kriegsgefangenen und Strafgefangenen unter unendlichen Opfern gebaut wurde.

Wir reisen bis zum Dorf Yailu. Dort übernachten wir am See in einer schichten, einfachen Hütte. Unser Gastgeber ist ein Ranger aus dem Nationalpark.

Telezkoje See
Auf dem Tschuski trakt

Wanderung mit Ranger Elzenus durch die Altai Wildnis am Telezkoje See

Der Telezkoje-See (altai. Altyn-Köl, wörtlich: „Goldener See“) ist der größte See des Altaigebirges und der Republik Altai in Russland. Er gehört zu den 25 tiefsten Seen der Erde.

Der See ist im Durchschnitt 174 Meter tief. Mit einer allgemein angenommenen maximalen Tiefe von 325 Metern ist er nach dem Baikalsee und dem Chantaisee der dritttiefste See Sibiriens und der vierttiefste Russlands. Hinsichtlich der tiefsten Seen der Welt nimmt er den 26. Platz ein. Nach neueren Angaben soll er sogar mehr als 340 Meter tief sein. Seine 41,1 Kubikkilometer Wasser sind so kristallklar, dass die Sichttiefe teilweise 12 bis 15 Meter beträgt.

Der See gilt als die „Perle des Altai“ und ähnelt in vielerlei Hinsicht dem größeren Baikalsee. Wie dieser hat auch der Telezkoje-See die entstehungsbedingte langgestreckte Form eines kontinentalen Grabenbruchs; er hat mehrere Zuflüsse - darunter die Flüsse Tschulyschman, Kyga, Bolschije Tschili, Kokschi, Kamga und Koldor, aber nur einen Abfluss: die 306km lange Bija, die nach ihrem Zusammenfluss mit dem Katun den 3500km langen Ob bildet. Insgesamt münden etwa 70 Flüsse und 150 zeitweise Wasserläufe in den See, wobei aber mehr als die Hälfte des zufließenden Wassers aus dem Tschulyschman kommt.

Der See hat die Form eines Knies. Der südliche Hauptabschnitt hat eine Länge von 49,9km und der nördliche Abzweig von 27,9km.

Der See schließt zwei Buchten ein: im Nordosten die Kamga-Bucht mit einer Länge von 6km und im Süden die Kyga-Bucht mit 2km, beide benannt nach den dort in den See mündenden Flüssen. Im Mündungsdelta des Tschulyschman im Süden des Sees liegt die Insel Kamain.

Dutzende Wasserfälle stellen eine Besonderheit des felsigen Ufers dar. Zu den bekanntesten gehören der Korbu-Wasserfall (12,5 Meter), der Kischte-Wasserfall (8 Meter) und der Große Schaltap (bis zu 20 Meter).

Der See ist umgeben von Bergketten, die bis gut 2500 Meter aufragen (Baskon, 2502m, östlich des Sees).

Der See gehört zum UNESCO Weltnaturerbe. Wir wandern mit dem Ranger durch das Naturschutzgebiet rund um das Dorf Yailu.

Mit Ranger Elzenus
Mit Ranger Elzenus

Über den Telezkoje See in das Tal des Tschulyman

Mit dem Boot werden wir abgeholt. Wir fahren über den Telezkoje See nach Kirsay. Dort erwarten uns unsere Fahrer mit ihren Fahrzeugen: 2 Mitsubishi Pickups und ein Mitsubishi Delica. Wir fahren dann bis zum Fluss Tschulyschman. Dort schlagen wir in einem Tal unser Nachtlager auf.

Der 241km lange Tschulyschman ist der größte Zufluss des Telezker Sees im Altai. Da die den See verlassende Bija zusammen mit dem Katun den Ob bildet, kann der Tschulyschman als Quellfluss des Ob gelten. Mit der großen Zahl von fast über seine gesamte Länge von 241 Kilometern verteilten Stromschnellen und Wasserfällen gilt der Tschulyschman als einer der schwierigsten mit Kanu oder Schlauchboot zu befahrenden Flüsse Russlands.

Der Tschulyschman entspringt im Osten des Altai, in der Senke zwischen dem hier über 3500m hohen Schapschalkamm und dem Tschulyschmanhochland in der Nähe der Grenze zu Tuwa bei etwa 2300m. In Quellnähe durchfließt er den 29,5km² großen See Dschulukul, durchquert dann das Tschulyschmanhochland in westlicher Richtung. Danach wendet sich der Fluss in nordwestliche Richtung und durchfließt – auf seiner gesamten Länge auf dem Territorium der Republik Altai – ein enges, tiefes Tal zwischen Tschulyschmanhochland und Ulaganplateau, um schließlich etwa 10 Kilometer unterhalb der einzigen Siedlung am Fluss, Balyktscha, in den Telezker See (434m) zu münden.

Am Abend besuchen wir Alexy Askanov, einem Meister des Altaier Kehlkopfgesangs. Er trägt uns Madai Kasa vor. Eine Sage aus dem Altai, bestehend aus 150 Strophen. Von ihm lernen wir, das es 3 Schwierigkeitsgrade beim Kehlkopfgesang gibt:

    - Karhyra (1 Ton)
    - Komey (2 Ton)
    - Sibuski (3 Ton)

Durch die Gesangstechnik, werden aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausgefiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden und der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit entsteht.

Nach unserem Besuch kommt unsere erste Herausforderung: Ein Unwetter mit Starkregen setzt ein. Es wird eine tolle Nacht im Zelt!!!

Am Tschulyman Fluß
Am Tschulyman Fluß

Im Tal des Tschulyschman Fluss

Es kostet Überwindung heute früh den Schlafsack und das Zelt zu verlassen. Die ganze Nacht gab es Starkregen. Es ist kalt, nass und feucht.

Doch mit einer Aussicht auf einen schönen Reisetag quäle ich mich nach draußen. Es geht zur morgentlichen Wäsche an den Fluss. Eine geeignete Stelle im reißenden Tschulyschman wird gefunden. Vorsichtig geht es über die Steine ins Wasser. Zu Anfang ist alles kalt. Nach 6 bis 8 Minuten sieht die Welt schon schöner aus. Zumal die ersten Sonnenstrahlen hervorkommen. Schnell noch die Haare gewaschen und gespült und dann raus. Beim Abtrocknen wird mir wieder warm. Es prickelt herrlich. Wie eine Kneippkur. War alles gar nicht so schlimm.

Jetzt geht es zum Küchenzelt. Dima hat Kascha gemacht. Kascha mit Milch Rosinen und Nüssen. Zur Veredelung noch ein wenig Honig.

Gretschnewaja Kascha oder Buchweizengrütze ist ein Brei der osteuropäischen Küche aus Buchweizen. In Russland  wird Kascha im geschlossenen Topf gekocht. Die Körner werden mit Wasser im Verhältnis 1:2 vermengt und solange erhitzt, bis der Buchweizen das Wasser absorbiert hat (ähnlich der Zubereitung von Risotto). Am Ende wird die Grütze mit Butter abgeschmolzen. Diese Masse wird als Beilage zu Fleischgerichten serviert oder bei der Zubereitung von Kohlrouladen als Füllung verwendet. Gerne wird der gekochte Brei auch mit Milch – und je nach Geschmack Zucker oder Salz – vermengt gegessen. Im deutschen Sprachgebiet wurde das Gericht durch die Erzählungen von Kriegsteilnehmern der beiden Weltkriege und die Versorgung durch die Rote Armee nach 1945 bekannt.

Danach geht es zum Fluss. Mit einem abenteuerlichen Kahn setzen wir über. Wir wandern das Tal entlang bis zu den Mushroom Rocks, die wirklich wie Pilze aussehen.

Unterwegs machen wir die Bekanntschaft einer Bäuerin. Wir versuchen uns zu verständigen. Mit vielen Gesten und Zeichen gelingt es. Zum Schluss pflückt sie noch ein paar Äpfel in ihrem Garten und gibt sie uns als Wegzehrung mit. Nach wenigen Metern kommt der Bauer auf uns zu. Hinter sich zieht er eine Giftschlange die er gerade in den Wiesen gefangen hat.

Mir wird etwas „anders“. Spontan denke ich an die nächsten Tage und Nächte im Zelt an den Flussufern und Wiesen. Ich wusste nicht, dass es im Altai Giftschlangen gibt. Jetzt weiß ich: Die Viper ist als einzige Schlange auch im hohen Norden anzutreffen. Dies hängt mit der geringen Kälteempfindlichkeit des Tieres zusammen. Das tödliche Gift der Vipern ähnelt in seinen Eigenschaften dem von Klapperschlangen. An heißen Tagen sonnen sich Vipern unbeweglich auf Baumstümpfen oder sogar Fußwegen. Bei bewölktem und kühlem Wetter suchen sie sich einen warmen Unterschlupf. In der Nacht werden die Tiere aktiv und gehen auf die Jagd nach Nagern und anderen Tieren. Vipern sind vorsichtig, werden nicht gern gestört und vermeiden den Kontakt mit Menschen. Dennoch wächst die Zahl der Menschen, die von Vipern gebissenen werden, von Jahr zu Jahr. Ich nehme mir vor, in den nächsten Wochen aufzupassen!!

Am Abend geht es in die Banja und zur Abkühlung in den Fluss.

Tschulyschman Fluss
Tschulyman Tal
Mushroom Rocks
Mushroom Rocks
Tschulyschman Fluss

Durch das Tschulyschman Tal bis zum Aktru Tal

Nach einer morgentlichen Wäsche im Fluss und einem Kascha Frühstück geht es dem Tschulyschman Fluss entlang durch das gleichnamige Tal.

Das Tal des Flusses Tschulyschman. Es war lange isoliert und ist erst seit kurzem, dank dem Bau der Autostraße am Bergpass Katu-Jaryk, erreichbar. Ein wenig besiedelter Ort in der Altairegion. Das Mikroklima ist unter dem Einfluss des Wassers des Teletskoe Sees milder. Die Canyon Sohle ist eine flache Wiese, wo Pferdeherden grasen, daneben fließt der Tschulyschman. Von allen Seiten ist diese Gegend von den 2.000 Meter hohen Bergspitzen umgeben.

Wir fahren Richtung Aktru Tal. Zunächst geht es über den Katu Jarik Pass (1.300m). Vorbei an Pasyryk Gräber aus den Zeiten der Skyten.

Die Pasyryk-Stufe war die jüngere Stufe der skythischen Kultur im Altai und lässt sich in das 5.–3. Jh. v. Chr. datieren. Als Kurgan bezeichnet man einen großen, aus Erde und / oder Steinen aufgeschütteten kegelförmigen Grabhügel. Unter den Hinterlassenschaften der Pasyryk-Stufe stechen einige Großkurgane hervor, deren Grabkammern im Permafrost konserviert wurden, wodurch sie einzigartige Rückschlüsse auf die Kultur der mittelasiatischen Reiternomadenkulturen der Eisenzeit liefern. Großkurgane zeigen einen sehr ähnlichen Aufbau: sie besaßen eine Steinaufschüttung mit einem Durchmesser von bis zu 50 Meter; darunter befand sich in bis zu sieben Meter Tiefe eine in Blockbauweise gezimmerte Grabkammer. Dem Verstorbenen wurden die Eingeweide entfernt, anschließend wurde sein Körper einbalsamiert und in einem Baumsarg an der Südwand der Grabkammer bestattet. Die oft beraubten Kammern enthielten eine Vielzahl an Beigaben: Mobiliar, Tongefäße, Beutel, Teppiche und sogar Musikinstrumente.

Solche Grabhügel werden uns auf der Reise noch öfter begegnen. Daher werde ich später noch mehr über das nomadische Reitervolk der Skythen zu berichten haben.

Wir erreichen den Ort Ulagan und reisen anschließend über den Ulagansk Pass (2.080m) zur gleichnamigen Hochebene. Wir fahren durch die Taiga und entlang der Waldgrenze. Wunderschöne Farben leuchten in Gold-Gelb, Rot und sattes Grün, wenn die Sonne auf die Büsche, Sträucher und Bäume scheint.

Vorbei geht es am See Usum Köl. Wir fahren durch das „Rote Tor“, eine Schlucht in der man in eine andere Welt des Altai gelangt: Bergtundra und Taiga.

Bei dem Dorf Aktasch geht es dann wieder auf den asphaltierten Tschulski trakt, den wir bei Kurai dann wieder verlassen.

Wir durchqueren die Kurai Steppe auf 1.700m. An der Südflanke des Kurai Kamm. Er hat eine Länge von ungefähr 140km und eine maximale Höhe von 3.412m. An der Südflanke erstreckt sich die Kurai-Steppe und weiter östlich die Tschuja-Steppe. An den Südhängen herrscht Kontinentalklima. An den tieferen nördlichen Hanglagen gedeiht subalpine Flora und Lärchenwälder. Die Südhänge sind von einer Steppenlandschaft bedeckt.

Wir erreichen das Aktru Tal bei Dunkelheit. Es ist schon spät ehe wir einen geeigneten Lagerplatz finden. Zelte werden unter Mithilfe von Taschenlampen aufgebaut.

Währenddessen kocht uns Dima Junior Pelmeni. Diese schmackhaften Teigtaschen kommen ursprünglich aus Tatarstan und Sibirien. Sie werden in Wasser oder Brühe gekocht und mit Fleisch gefüllt. Man bekommt sie entweder als Suppeneinlage oder als Hauptgericht. Heute zählen sie zu den russischen Nationalgerichten. Der Teig der Pelmeni besteht aus Mehl, Salz, Wasser und Ei. Er wird auf verschiedene Weisen zu kleinen, runden Teigblättchen verarbeitet, die mit einer Mischung aus Hackfleisch (Schwein, Rind oder andere Fleischsorten) mit Zwiebeln, Knoblauch, Salz und Pfeffer gefüllt und sorgfältig verschlossen werden. Anschließend werden die Pelmeni in gesalzenem Wasser oder einer Brühe gekocht. Teigtaschen mit Füllungen aus Kartoffeln, Kohl oder süßen Füllungen aus Frischkäse und Beeren heißen Wareniki. Am schnellsten gelingt die Herstellung von Pelmeni mit einer speziellen Form, der sogenannten Pelmeniza, in die das Hackfleischgemisch in Häufchen zwischen zwei Lagen ausgerollten Teigs gegeben wird. So vorbereitet werden Teig- und Fleischmasse mit einer Teigrolle zusammengepresst.

Übrigens: Bei uns bestand die Füllung stets aus Schafleisch.

Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Tschulyschman Tal
Das Rote Tor
Katu Jarik Pass

Im Aktru Tal

Erst sich selbst im kalten Bergfluss waschen. Dann die Wäsche. Danach ist man richtig munter. Frühstück mit Spiegelei und Aubergine.

Wir befinden uns auf ca. 1.700m. Gestern Abend hatten wir noch Knochenarbeit zu leisten. Im Schlamm hatte sich unser Wagen festgefahren. Die anderen Fahrzeuge mussten durch einen Fluss fahren und sich vor unser Auto setzen. Nur so konnten wir dann mit Erfolg rausgezogen werden.

Der Tag beginnt mit einem Ausflug entlang der Nordkette des Chuya Gebirge. Mir fällt auf, dass jeder die Gebirgszüge anders benennt und schreibt. Auf unseren Karten steht etwas anderes als bei unseren russischen Begleitern. Und selbst die haben oft verschiedene Namen parat. Die Ur Altaier haben wieder andere Bezeichnungen. Egal, auf meiner Karte wird mit den Koordinaten von Johann und Günter alles richtig eingetragen.

Wir machen einen Stopp bei Altaier Pferdezüchtern. Es gibt einen Wodka. Dann erzählen sie uns, dass sie in den Monaten August bis Oktober in den Wäldern unterwegs sind um Zedernzapfen zu sammeln.  Die Kerne sind sehr begehrt und werden verkauft.

Für einen Sack Kerne kann man bis zu 1.000 Rubel bekommen (17 €). Ein Pferd kostet etwa 30.000 Rubel (500 €). Ein Kamel 60.000 Rubel (1.000 €).

Die sibirische Zeder ist der frosthärteste Baum der Erde. Sie kann bis zu 800 Jahre alt und bis zu 40 Meter hoch werden. Der Duft des Baumes wirkt desinfizierend, das Harz hat eine wundheilende Wirkung, das Holz weist wundervolle Klangeigenschaften auf und die Nadeln, Pollen und Kurztriebe werden in der russischen Volksmedizin gegen verschiedene Krankheiten angewendet. In den Zedernzapfen befinden sich die Zedernkerne, welche die Menschen vor Ort mit notwendigen Mineralien und Vitaminen versorgen. Zedernkerne reifen zwei bis vier Jahre am Baum und sammeln in dieser Zeit eine beachtliche Menge an wichtigen Nährstoffen. Gesundheitliche Vorteile von Zedernkernen: immunstärkend, mindert Müdigkeit, erhöht körperliche und geistige Leistung, positive Wirkung auf Knochen, Haut, Nägel und Haar, positive Wirkung auf Leber- und Gallenfunktion, Darmfunktion und Fettstoffwechsel, heilsame Wirkung bei Allergien, verjüngend, potenzstärkend.

Mit so viel Wissen ausgestattet, reisen wir weiter über das Jetschtik Köl Plateau (1.700m). zum See Djangis Köl. Die gesamte Region gehört zu einem Permafrostgebiet.

Permafrost – auch Dauerfrostboden – ist das ganze Jahr hindurch gefroren. Definitionsgemäß ist Permafrost „Boden, Sediment oder Gestein, welches in unterschiedlicher Mächtigkeit und Tiefe unter der Erdoberfläche mindestens zwei Jahre ununterbrochen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aufweist. Im Zuge der globalen Erwärmung tauen in den letzten Jahrzehnten immer mehr Permafrostböden auf. Das Auftauen sorgt kurzfristig und lokal bereits für erhebliche und bedrohliche Veränderungen der Topographie. Vor allem im Norden Russlands sinken große ebene Flächen innerhalb kurzer Zeit plötzlich ab, wenn das gefrorene Wasser taut und an Volumen verliert, eingeschlossenes Gas entweicht, und das durchlöcherte Erdreich in der Folge unter dem eigenen Gewicht in sich zusammensinkt. Zurück bleibt auf weiten Flächen eine Kraterlandschaft mit schiefen und entwurzelten Bäumen und Seen, gefüllt mit Tauwasser. Darüber hinaus wird aus Permafrostböden in großen Mengen gebundenes Methan in die Atmosphäre entweichen. Dieser Vorgang führt zu einer Verstärkung der Erwärmung, da das Treibhauspotenzial von Methan etwa 25 mal so groß ist wie das von CO2.

Im weiteren Verlauf unser Reise konnte ich die Auswirkungen der Erwärmung hautnah erleben. Beim Absacken der asphaltierten Straßen.

Zurück in unserem Camp, duftet es schon aus dem Küchenzelt. Dima Junior hat ukrainische Borschtsch gekocht, eine Suppe, die traditionell mit Roter Bete zubereitet wird und deren Zubereitung vor allem in Ost- und Ostmitteleuropa sehr verbreitet ist. Die Herkunft des Wortes „Borschtsch“ beziehungsweise „Barszcz“ liegt höchstwahrscheinlich im slawischen Namen für das Kraut Bärenklau. Von diesem waren im Mittelalter die ungiftigen Sprossen und jungen Blätter ein fester Bestandteil der Suppe. Charakteristisch für die Zubereitung ist die lange Garzeit bei geringer Hitze. Vor dem Servieren sollte Borschtsch mit Schmand (oder auch saurer Sahne) und frischen Küchenkräutern (meist Dill, auch Knoblauchblättern oder Petersilie) verfeinert werden. Zum ukrainischen Borschtsch wird gern auch ein (gesalzener) Knoblauch-Öl-Dip sowie in jedem Fall frisches Brot gegessen. Frisches Brot hatten wir zwar nicht - aber dafür umso mehr Knoblauch.

Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal
Im Aktru Tal

Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle

Die ganze Nacht hat es neben einem Gewitter auch noch geregnet. An ein Bad im Fluss ist nicht zu denken. Also geht es ohne Morgenwäsche zum Kascha Frühstück.

Als der Regen gegen 9.00h immer noch nicht aufgehört hat, entschließen wir uns trotz der Nässe die Ausrüstung einzupacken und die Zelte abzubrechen. Nichts ist mehr trocken.

Die nasse Piste in der Taiga ist schwer zu befahren. Durch die Feuchtigkeit rutscht man zum Teil wie auf Seife. Tiefe Pfützen in den Schlaglöchern. Neu entstandene Bäche überfluten die Piste. Die Flüsse haben mehr Wasser.

Wir fahren bis Kosh Agatsch (auf Deutsch: Zwei Bäume), ein ausgedehntes Gebirgsdorf im südöstlichen Teil der Republik Altai. Der Ort liegt in der Tschuja-Steppe, einer nach der Tschuja, einem rechten Nebenfluss des Ob-Quellflusses Katun, benannten, auf fast 2000 Meter Höhe gelegenen vegetationsarmen Ebene in Südosten des russischen Altai. Die Tschuja entsteht bei Kosch-Agatsch aus den Quellflüssen Kysylschin und Tschaganka. Das Gebiet um den Ort gehört zu den trockensten und im Winter kältesten im Altai; die gemessene absolute Minimaltemperatur betrug –62 °C.

Wir reisen durch die Tschuja Steppe auf ca. 1.700m. In dieser Halbwüste befindet sich ca. 30cm unter der Oberfläche Permafrost. Die Menschen in diesem dünn besiedelten Gebiet leben von Viehzucht und sind zum Teil noch Nomaden.

Wir fahren auf einer Schotterpiste ca. 140km Richtung der südliche Kette des Tschuja Gebirges. Am Tarkhata megalith complex, einer Steinformation mit Zeichnungen aus der Bronzezeit machen wir Pause.

Der Tschuja Gebirgszug hat eine Länge von ungefähr 120km. Höchste Erhebung ist der 4.173m hohe Gipfel Maascheibasch. Die Gletscherfläche wird mit 130km² angegeben. Die Berghänge in Höhen zwischen 2200 und 2400m sind von Lärchen- und Sibirischer Zirbelkiefern-Taiga bedeckt .Darüber kommt alpine Flora und Tundra vor.

Der Himmel über der Steppe wird wieder blau. Die Sonne ist wieder da. Wir erreichen das Grenzgebiet von Russland zu China, Kasachstan und der Mongolei. Mit dem schon recht frühzeitig besorgten Permit müssen wir uns bei der Grenztruppe registrieren lassen.

Danach geht es über die Tundra auf 2.300m bis zum Djumalinski Pass, der bis auf 2.674m Hoch geht. Es fängt leicht an zu schneien.

Wir erreichen die Quelle. Mehrere Rohre transportieren das warme Heilwasser in kleine Hütten, wo man sich umziehen und ein heilendes Bad nehmen kann. Zahlreiche Einheimische kommen mit Kanistern bewaffnet um sich das Heilwasser für daheim abzufüllen.

Wir entschließen uns wegen des Kälteeinbruchs heute in einem „Massenlager“ zu schlafen. Eine einfache Berghütte wird angemietet. Dima kocht uns heißen Tee und zaubert als Abendessen Pasta mit Bohnen.

Ein Wort zu den Klos im Altai: Man grabe ein Loch und setze eine Holzhütte drauf, mit großzügigem Loch im Fußboden, damit einem ja kein Detail des Inhalts entgeht. Wahlweise das Ganze mit oder ohne Dach bzw. Tür. Schlicht und einfach und glaubt man Ärzten, ist auch die hockende Stellung sehr förderlich.

Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle
Vom Akru Tal bis zur Djumalinki Quelle

Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau

Die heutige Nacht war zitterkalt: 5 Grad minus. Das Wasser in den Pfützen ist gefroren. Ebenso hat sich Eis am Rand der Bäche und Flüsse gebildet.

Als erste morgentliche Übung tauch ich in ein Becken mit dem heilenden Quellwasser ein. Schon seit Jahrhunderten soll das 17 Grad warme Wasser eine heilende Wirkung haben. Mein Kreislauf kommt in Schwung, als ich aus dem Wasser mit der eisigen Bergluft in Berührung komme. Nach dem Abtrocknen fühle ich mich ein wenig schlapp. Das muss gesund sein!!

Einige Familien verabschieden sich von uns und finden es toll, wenn wir auch noch ein Abschiedsfoto machen. Dabei kommt Günter seine Technik voll zum Einsatz.

Dann geht es im Schritttempo los zum Ukok Plateau. Wir fahren über Stunden über eine Geröllhalde – als Schotterpiste kann man es nicht bezeichnen. Mensch und Maschine müssen eine Höchstleistung erbringen. Den „Heiße Quelle Pass“ geht es bis auf 2.916m hoch. Unterwegs werden wir von berittenem Militär angehalten und müssen unsere Pässe und unsere Sondergenehmigung vorweisen.

Das Ukok Plateau ist eine Hochgebirgsfläche welche auf einer Höhe von 2200-2500 Meter über dem Meeresspiegel, in der Bodenvertiefung zwischen den Gebirgskämmen Sailugem und Yuzhni-Altai liegt. Die maximale absolute Höhenlage der gebirgigen Einfassung der Hochfläche, der Gebirgsknoten Тavan-Bogdo-Ula (Fünf heilige Gipfelpunkte), der höchste Punkt — Nairamdal — erreicht 4.374 Meter über dem Meeresspiegel. Dieser Berg ist der zweit- höchste Gipfelpunkt nach Belucha in Sibirien. Das Ukok Plateau ist in allen Hinsichten der schwerzugänglichsten Orte des Altai. Das Plateau liegt an der Grenze von vier Staaten: Russland, der Mongolei, China und Kasachstan.

Die Bewohner des Altai verehren das Plateau, als Ort wo die Seelen ihrer Vorfahren ihre Ruhe finden, in der alttürkischen Sprache wird das Wort Ukok als “Beerdigungstragbahre” bezeichnet. Es gibt noch eine Bedeutung für Ukok: den “Kasten, die Truhe”. Es ist interessant, dass beide Bedeutungen zu dem Plateau passen, da das Plateau wirklich wie ein Schubkasten aussieht und die Bedeutung des Tals, als Beerdigungsstätte ist von Archäologen bewiesen worden. Trotzdem enthält die Geschichte von Ukok auch Beweise die bezeugen, dass die Hochfläche nicht nur als Beerdigungsort diente, sondern auch für altertümliche Siedlungen geeignet war. Auf dem Territorium des Plateaus befinden sich über 1500 archäologischen Denkmale.

Seit 1998 ist das Plateau UNESCO Weltnaturerbe.

Wir erreichen das Plateau mit seiner Taiga. Die Sonne scheint. Die Farben der Pflanzen in Braun und Gelb. Unter einer dünnen Schicht von ca. 30cm findet man Dauerfrostböden vor. Die weißen Gletscher der Bergkette Sailugem leuchten.

Auf einer Höhe von 2.274m bauen wir unsere Zelte auf. In Sichtweite: Die heiligen Gipfel des Tavan Bogdo, die ihre Namen von Dschingis Khan erhalten haben.

Wenn man auf eine Anhöhe steigt, sieht unser kleines Zeltlager winzig aus. Wegen des aufkommenden Windes bauen wir aus den Autos eine Wagenburg. Die Nacht ist kalt. Aber man blickt auf einen wunder, wunderschönen Sternenhimmel. Heute Nacht komme ich gern ein paar Mal aus dem warmen Schlafsack gekrochen, um “um die Ecke zu gehen“. Die Milchstraße ist zum Greifen nahe.

Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau
Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau
Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau
Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau
Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau
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Die beschwerliche Fahrt zum Ukok Plateau

Land ohne Zeit: Ukok Plateau

Das Ukok-Plateau ist mit der Außenwelt durch schwere Schotterstraßen verbunden. Durch die Ukok- (Russland-Kasachstan-Grenze), Ulan-Daba- (Russland-Mongolei-Grenze), Teplyi- und Kalgutinsky-Pässe ist das Plateau mit der Außenwelt  verbunden. Der Teplyi kluch Pass hat eine Höhe von 2.907m. Man kann diese Pässe vom Dorf Kosh-Agatch aus erreichen. Die Region ist Sperrgebiet und wird vom Militär kontrolliert. Man benötigt eine Sondergenehmigung für den Besuch dort. Internationale Grenzübergänge gibt es nicht.

Das Plateau gilt als Teil des UNESCO -Weltkulturerbes mit dem Titel Golden Mountains of Altai.Das Ukok-Plateau ist die hochgebirgige Ebene zwischen Süd-Altai und Sailugem und Kämmen auf einer Höhe von 2.200-2.500m über dem Meeresspiegel. Es gibt 500 bis 600 Meter hohe Berggipfel, die über dem Plateau stehen.

Der heutige Tag beginnt mit “Großer Wäsche” von Körper und Unterwäsche im eiskalten Fluss. Danach gibt es Buchweizen Kascha von Dima. Das wärmt zusätzlich zur Sonne, die sich langsam auf dem Plateau ausbreitet.

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der einzigartigen farbenfrohen Taiga Steppe.

Wir erklimmen eine Anhöhe und besuchen das Grab der Eisprinzessin. Am Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde in einem der Gebirgskämme des Plateaus, von Archäologen die Mumie einer jungen Frau gefunden, die mindestens 2500 Jahre alt war. Diese hat man Prinzessin Ukok genannt. Nach dieser Entdeckung entstand auf der ganzen Welt eine Welle des Interesses für dieses Plateau. Nach der Prinzessin fanden die Archäologen noch eine Mumie, welche aus dem gleichen Zeitraum datiert war, doch diesmal war es ein Mann. Das Plateau wurde zur Zone der Ruhe. Alle archäologischen Arbeiten wurden gestoppt und Touristen mussten eine spezielle Erlaubnis besitzen um dieses Tal zu betreten.

Die Eisprinzessin stammt aus der Skythenzeit.

Doch auf dem Plateau finden wir noch mehr Überraschungen: Mengir Steine aus der Türkenzeit, die als nomadischem Reitervolk in grauer Vorzeit hier ebenso beheimatet waren.

Weiter geht es dann zur verlassenen Grenzstation Angamdji. Einem Kontrollpunkt aus sowjetischer Zeit zur Bewachung der mongolisch / chinesischen Grenze. Heute finden wir hier nur noch Wracks von Militärfahrzeugen.

Eine weitere Überraschung erwartet uns als wir auf einem Winterstall drei Bauern treffen. Sie mähen gerade per Hand die Wiese und sind über die Abwechslung unseres Besuchs dankbar. Eine der Kasachen erklärt uns voller Stolz, dass er als Soldat bei Magdeburg gedient hat.  Lachend erklären wir ihm, das wir deshalb extra gekommen sind um zu sehen wie es ihm hier geht. Da bleibt der Wodka nicht lange in der Flasche!!

Ich habe mir meinen Traum erfüllt. 2009 und 2014 stand ich in der Mongolei im Altai Gebirge und habe von dort auf den Tavan Bogd Richtung Russland geschaut. Mit einer Sondergenehmigung konnte ich damals in die Gegend reisen. Heute Stehe ich auf der andern Seite des Massivs und schaue in die Mongolei: 3 bzw. 8 Jahre später - Ich bin sehr dankbar, dass ich das noch erleben darf.....

Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau
Ukok Plateau

Vom Ukok Plateau nach Kosch Agatsch

Jetzt heißt es Abschied nehmen vom Tabin Bogdo Ola. Vom Ukok Plateau geht es zurück nach Kosch Agatsch. Genauso beschwerlich wie auf dem Hinweg. Der Rückweg verlangt unserem Geländewagen wieder alles ab. Mehrfach bleiben wir auf den Geröllhalden stecken und halten den Atem an, dass alles heil bleibt.

Unterwegs können wir einen Steppenadler bei der morgentlichen Jagd beobachten.

Beim Militär melden wir uns wieder ab. An dem Großen und Kleinen Djumalinski Seen geht’s vorbei, ehe wir wieder über die Steppe in Kosch Agatsch ankommen.

Heute wollen wir in einem Hotel übernachten. Vor dem Hotel kommt gerade ein Motorradfahrer an. Ein Landsmann aus Jena, der schon seit 3 Monaten mit seinem Bike unterwegs ist. Seit 2 Monaten hört und spricht er erstmals wieder deutsch.

Unsere erst Aktion im Hotel ist eine heiße Dusche. Gaaaannnnz lange!!! Dann ein paar schöne Bier. Heute Nacht schlafe ich wie ein Bär im Winterschlaf.

Vom Ukok Plateau nach Kosch Agatsch
Vom Ukok Plateau nach Kosch Agatsch
Vom Ukok Plateau nach Kosch Agatsch
Vom Ukok Plateau nach Kosch Agatsch

Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa

Heute können wir erst gegen Mittag los. Unsere Fahrzeuge müssen in die Werkstatt. Sie haben bei der Fahrt zum Ukok Plateau sehr gelitten. Das Getriebe muss gewartet werden.

Die notwendigen Einkäufe für Verpflegung und Getränke werden getätigt. Wobei auffällt, dass viele Waren im Supermarkt aus Deutschland kommen. Mit Original Beschriftung. Man bekommt fas alles.

Wir sind in Kosch-Agatsch einem ausgedehnten Gebirgsdorf im südöstlichen Teil der Republik Altai. Der Ort liegt in der Tschuja-Steppe. Benannt nach der Tschuja, einem rechten Nebenfluss des Ob-Quellflusses Katun.Die Steppe liegt auf fast 2000m Höhe im vegetationsarmen Südosten des russischen Altai. Die Tschuja entsteht bei Kosch-Agatsch aus den Quellflüssen Kysylschin und Tschaganka. In dieser vegetationsarmen, aber noch für die Kamelzucht nutzbaren Steppe herrscht extremes Kontinentalklima. Es ist im besiedelten Teil des Altai das trockenste und im Winter kälteste (gemessene Tiefsttemperatur –62 °C).

Kosch-Agatsch (altaisch für zwei Bäume) wurde 1801 gegründet und wurde schnell zu einem regional bedeutsamen Handelszentrum an einem der Wege vom Russischen Reich in das Kaiserreich China, zu dem auch das in südöstlicher Richtung anschließende Gebiet der heutigen Mongolei gehörte.

Wir reisen durch die Tschuja Steppe Richtung Tuwa. Es ist der einzige Weg um nach Tuwa zu gelangen. Wir fahren über den Bugusun Pass (2.518m) und durchqueren das gleichnamige Tal.

Uns begegnet keine Menschenseele. Plötzlich steht in der Steppe ein hilfloser Tuwiner mit seinem Motorrad. Mit Zeichensprache und Gesten erklärt er uns, dass seine Bremsen nicht mehr funktionieren. Mit unserem Werkzeug und vereinten Kräften gelingt es sein Bike wieder fahrtüchtig zu machen. Dieser Tuwiner sollte der einzige Mensch bleiben den wir heute in dieser Einsamkeit zu Gesicht bekamen.

Am Bugusun Fluss bauen wir auf 2.320m heute unsere Zelte für die Nacht auf. Heute Abend gibt es Kartoffelbrei mit Gemüse. Alle schälen schon mächtig die In Kotsch Agatsch beim Bauern erstandenen Kartoffeln. Dazu wird Dschingis Platin gereicht....

Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa
Von Kosch Agatsch in das Bugusun Tal Richtung Tuwa

Zum Chindiktik Köl in das Herz von Tuwa

Heute rühr ich ausnahmsweise das Frühstück von Dima nicht an. Es gibt Kascha aus Mais, Zwiebeln, Knoblauch. Sehr gesund wird mir versichert. Ich nehme lieber Kekse.

Wir befahren den Bugusun Pass bis auf 2.640m

Dann sind wir im Ubsunuur Becken. Das Ubsunuur-Becken befindet sich im Süden der russischen Republik Tuwa. Und zieht sich bis in den Nordwesten der Mongolei. Es ist ein grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet und gilt als UNESCO Welterbe. In diesem Becken läuft der südlichste Teil der Taiga mit dem nördlichsten Teil der Wüste zusammen. Die Landschaft ist von Steppe und Wüste geprägt. Hier ist eine große Artenvielfalt von Süß- und Salzwasser, Laub-, Nadel- und Auwäldern sowie Restgletschern und Gletscherseen vorzufinden. Es ist eines der größten intakten Wasserscheiden in Zentralasien und verfügt über knapp 40.000 archäologische Stätten, in denen die Geschichte der Nomadenstämme, die durch die Steppe zogen, erforscht wird. In einem Kalenderjahr können die Temperaturen bis zu 100 Grad zwischen Kalt und Warm schwanken. Trotzdem nennen über 100 Vogelarten, der vom Aussterben bedrohte Schneeleopard, die Wildschafe namens Argali sowie der asiatische Steinbock (Wildziege) dieses Gebiet ihr Zuhause.

Heute sind wir auf der tuwinischen Seite. Die mongolische Seite des Beckens werde ich später besuchen. Dazu wird ein Umweg erforderlich sein. Einen Grenzübergang Tuwa / Mongolei gibt es weit und breit nicht. Dazu müssen wir zurück in die Republik Altai nach Taschanta.

Für das Grenzgebiet zwischen Tuwa und der Mongolei brauchen wir eine spezielle Genehmigung. Auf der Passhöhe liegt ein Schild in kyrillischer Schrift: “Grenzgebiet. Einfahrt nur mit Genehmigung“. Aber dafür interessiert sich hier niemand. Weit und breit sehen wir keine Menschen. Nur eine alte, verlassene sowjetische Grenzstation macht darauf aufmerksam das hier Grenzgebiet ist.

Wir durchqueren die Mongun Taiga und sehen schon in der Ferme den schneebedeckten Mongun Taiga Berg (3.976m). Er ist der höchste Berg von Tuwa.

Plötzlich klappert es . Wir stellen fest, dass wir am hinteren Rad 3 Radmuttern verloren haben. Beim Wekstattbesuch vor 2 Tagen sind sie wohl nicht richtig angezogen worden. Also: Zu Fuß die ganze Strecke zurück marschieren und die Teile auf der Piste suchen. Glück gehabt : Noch vor dem Pass haben wir sie gefunden!! Aufgeschraubt... und weiter geht es.

Vor uns liegt der Ak Köl, ein Salzsee. In Urzeiten war das ganze Ubsunuur Becken einmal ein Meer. Daher die vielen salzhaltigen Seen. In einer Höhe von 2.306m bietet sich ein schönes Panorama und in weiter Ferne ist ein Hirte mit einer Yak Herde zu sehen. Dann kreuzt eine große Pferdeherde aus ca. 80 Tieren unseren Weg.

Es folgt eine abenteuerliche Fahrt über einen reißenden Fluss. Eine Brücke aus Baumstämmen muss überquert werden. Die Ritzen zwischen den Stämmen sind liebevoll mit Steinen ausgekleidet. Nicht nur wegen der Fotos steigen wir sicherheitshalber aus.

Aus der Ferne prescht ein Reiter heran. Er heißt auf tuwinisch „Schütze“ und ist als einsamer Murmeltierjäger unterwegs. Schön, dass wir uns kennenlernen. Er spendiert einen tuwinischen, undefinierbaren Schnaps aus seiner Satteltasche und wir Schokolade und Studentenfutter.

Danach erreichen wir den Heiligen See der Tuwiner, den Chindiktik See auf 2.300m. Jetzt sind wir im Herzen von Tuwa angekommen.

Am Rande des Sees bauen wir - nur beobachtet von einem Adler - unser Zelt auf. Ein starker Wind zieht auf und es fängt heftig an zu regnen. Jetzt schnell ins Zelt und in den warmen Schlafsack. In der kalten Nacht werden die Regentropfen auf dem Zeltdach zu kleinen Eisklumpen gefrieren.

Zum Chindiktik Köl
Zum Chindiktik Köl
Zum Chindiktik Köl
Zum Chindiktik Köl
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Zum Chindiktik Köl
Zum Chindiktik Köl
Zum Chindiktik Köl

Tuwa

Ich bin jetzt in der Republik Tuwa, eine zur Russischen Föderation gehörende autonome Republik im südlichen Teil von Sibirien.

Tuwa liegt an der nordwestlichen Grenze der Mongolei und ist eingerahmt von den Gebirgen Westlicher Sajan im Norden, Tannu-ola im Süden und dem Altai im Westen. Wichtigster Fluss ist der Jenissei, dessen rechter Quellfluss Großer Jenissei in der Republik entspringt. Das Klima ist kontinental. Die Durchschnittstemperaturen im Januar betragen −45°C bis −28°C. Die durchschnittliche Temperatur im Juli beträgt um die 20°C, oft ist es sehr heiß bis um 30°C herum. Es regnet sehr selten im Sommer und schneit nur wenig im Winter. In Tuwa gibt es ca. 300 Sonnentage im Jahr. Die ebenen Steppen von Tuwa liegen auf 520–1200m über NN. Der höchste Berg ist der Mongun-Taiga mit 3976m über dem Meeresspiegel. Es gibt etwa 6700 größere und kleinere Seen. Die meisten liegen im Todscha-Becken.

Die Tuwiner sind ein Turkvolk und stellen die Mehrheitsbevölkerung in der Republik. Die Tuwiner bekennen sich überwiegend zum Buddhismus, genauer zum Tibetischen Buddhismus, daneben gibt es in Tuwa auch viele altgläubige orthodoxe Christen.

Vergeblich hatte ich über Tuwa im Vorfeld meiner Reise Kartenmaterial und Reisführer versucht zu besorgen. Es gibt schlichtweg nichts. Bei meinen Recherche bin ich auf ein Buch von S. Weinshtein gestoßen, das mich inspiriert hat. In einer fesselnden Mischung aus Reisebeschreibung und Ethnographie stellt der prominente russische Forscher und Autor Sew'jan Weinshtein Leben, Denken und Fühlen eines uns nahezu unbekannten Volkes vor. Die kleine Republik Tuwa im geographischen Zentrum Asiens, bei uns allenfalls assoziiert mit dem ungewöhnlichen Kehlgesang seiner Musiker und den Erzählungen von Galsan Tschinag, führt bis heute ein unverdientes Schattendasein .Eine Reise dorthin lohnt sich.

Am Morgen sind die Regentropfen auf dem Zeltdach zu kleinen Eisklumpen gefroren. Dann kommt die Sonne heraus und es gibt Bratkartoffel mit Spiegelei und Salzgurke zum Frühstück. Da lacht das Herz!!  Zumal der heilige „Silbersee“ sich jetzt im schönsten morgentlichem Licht präsentiert. Die Mongun Taiga Bergkette strahlt mit seinen schneebedeckten Gipfeln in der Ferne. Die morgentliche Wäsche im salzhaltigen See beschränkt sich auf das Nötigste.

An den Stallungen einer Winterweide machen wir Rast. Eine riesige Schafherde kommt uns entgegen. Mit dem Hirten versuche ich ins Gespräch zu kommen. Der Tuwiner ist sehr wortkarg unsere Kommunikation kommt nicht so richtig in Gang. Wir teilen uns eine Tafel Schokolade und ziehen dann weiter.

Wir fahren am Ak Köl (Weißer See) sowie mehreren kleinen Salzseen vorbei, durchqueren die Mongun Taiga und fahren wieder dem Bugusun Tal entlang. Mehrfach durchqueren wir Flüsse und Bäche.

Unser Nachtlager schlagen wir in einem Waldstück auf. Wieder regnet es heute Nacht. Obwohl es am frühen Morgen noch frisch und bedeckt ist, wage ich eine Ganzkörperwäsche im kalten Fluss. Das wirkt wie eine Kneipp Kur. Danach wird die Unterwäsche gewaschen.

Zurück im Dorf Kosch Agatsch kaufen wir Verpflegung für die nächsten Tage. Dann entschließen wir uns noch heute über die Grenze zu fahren. In der Mongolei ist Feiertag und daher nur mit geringen Wartezeiten zu rechnen.

Die Grenze wird bei Taschanta überquert. Einem der wenigen Grenzen an denen Ausländer in die Mongolei ausreisen dürfen. Taschanta ist ein Gebirgsdorf im russischen Teil des Altai. Der Ort hat regionale Bedeutung als Grenzort und Station an der Fernstraße R256. Diese auch Tschuiski trakt genannte Straße erschließt die nördlichen Teile des russischen und mongolischen Altai und folgt der Route eines alten Weges auf dem früher der Tee aus China nach Russland gebracht wurde.

Beim Zoll in Russland geht alles schleppend voran. Wir müssen alles auspacken. Besonders für meine Reiseapotheke interessiert man sich. Anschließend in der Mongolei sieht das der Zoll alles unkompliziert. Der Zöllner sagt mir, ein Blick in meine Augen genügt um zu wissen das ich nur ehrliche Absichten habe. Danke!!!

Tuwa
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Mongolei

Wir haben am Ausländerübergang die russisch / mongolische Grenze bei Taschanta und Tsagaannuur überquert. Jetzt bin ich wieder in der Mongolei. Dieses tolle Land habe ich mehrfach besuchen dürfen:

2009 war ich dienstlich dort zu Gesprächen mit der Mongol Post, DHL und der Regierung. Beeindruckt vom Land kam ich zurück, bin 2012 dann auf eine Winterreise mit dem Pferdeschlitten über den Khuuvsguul See gereist. 2010 war ich im mongolischen Altai und 2014 dann durch die Wüste Gobi bis zum Altai gereist.

Die Mongolei ist ein Binnenstaat im östlichen Teil Zentralasiens und liegt zwischen Russland im Norden und der Volksrepublik China im Süden. Seine Fläche umfasst den größten Teil des Mongolischen Plateaus. Territorial knapp viereinhalbmal so groß wie Deutschland, ist das Land mit rund 3 Millionen Einwohnern der am dünnsten besiedelte Staat der Welt. Die größte Stadt ist die Hauptstadt Ulaanbaatar, in der mehr als 40 Prozent der Landesbevölkerung leben.

Aufgrund der Bodenbeschaffenheit und des Klimas kann in der Mongolei wenig Ackerbau betrieben werden. Die Landschaft dominieren grasbewachsene Steppen, mit Bergen im Norden und Westen, sowie die Wüste Gobi im Süden. Bedeutendste Wirtschaftszweige sind die nomadische Viehwirtschaft und der Bergbau. Das Land zählt zu den zehn rohstoffreichsten Ländern der Erde. Die Mehrheit der Einwohner sind Buddhisten. Insgesamt gehören bei steigender Tendenz rund 62 Prozent der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft an, wovon sich 91,6 Prozent zum Lamaismus bekennen.

Ausgrabungen in der Gobi belegen, dass schon vor 500.000 Jahren Menschen auf dem Gebiet der heutigen Mongolei lebten. Bereits vor Beginn der christlichen Zeitrechnung vereinigten sich Reiternomaden, wie die Xiongnu oder Xianbei, zu großen Volksstämmen. 1206 gründete Dschingis Khan das Mongolische Reich, das sich über Asien bis nach Europa erstreckte und das größte Imperium der Menschheitsgeschichte darstellt. Sein Enkel Kublai Khan eroberte China und begründete die Yuan-Dynastie. Nach dem Zerfall dieses Reiches entwickelte sich der Buddhismus zunehmend als Staatsform. Während der Qing-Dynastie entstand 1644 auf dem Gebiet des heutigen mongolischen Staates als Provinz die äußere Mongolei. Ab 1912 erlangte die Region weitgehende Autonomierechte. 1921 etablierte die Sowjetunion eine Marionettenregierung, welche 1924 die Mongolische Volksrepublik proklamierte. Diese war zeit ihres Bestehens politisch, militärisch und wirtschaftlich völlig von der Sowjetunion abhängig. Im Zuge der Revolutionen im Jahr 1989 vollzog das Land den friedlichen Übergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem.

Etwa ein Drittel des Staatsgebietes wird von Hochgebirgen eingenommen, vor allem im Norden, Westen und Südosten. Den Süden und Osten dominieren trockene Hochebenen. Die mittlere Landeshöhe liegt bei etwa 1580 Meter über dem Meeresspiegel.

Als Westmongolei wird die Region zwischen Changai-Gebirge und Altai bezeichnet. Hier, an der Grenze zum chinesischen Xinjiang, erreichen zwei Gipfel des Altai fast 4400 Meter, darunter der Chüiten-Gipfel, der mit 4374m die höchste Erhebung der Mongolei darstellt. Von dort ziehen die 3000 bis 4000m hohen Gebirgsketten Mongolischer Altai und Gobi-Altai 2000km nach Ostsüdost, entlang der Grenze zu China, bis zum Mongolischen Plateau; weitere Gebirge in der Westmongolei sind das Tannu-ola-Gebirge und das Sajangebirge. In der Mongolei gibt es hunderte Gletscher, wenngleich alle sehr kleiner Ausdehnung sind. Der Potanin-Gletscher hat eine Länge von etwa 18km und der Prschewalski-Gletscher 11km.

Im Landeszentrum liegt das Changai-Gebirge mit zahlreichen Dreitausendern, dessen Nordflanke bereits zum sibirischen Baikalsee entwässert, und östlich davon die Region um die Hauptstadt Ulaanbaatar (1350m). Östlich davon schließt das Chentii-Gebirge an. Südlich dieses Gebirgszuges ist das Land hügelig, bis es in die Gobi übergeht. Im Osten der Mongolei befindet sich am See Choch Nuur der niedrigste Punkt der Mongolei, auf 532m.

In der Mongolei gibt es etwa 1200 Flüsse mit einer Gesamtlänge von fast 70.000km. Das Land wird in drei Richtungen entwässert: in Richtung des Pazifischen Ozeans, in Richtung des Arktischen Ozeans und in Richtung der abflusslosen zentralasiatischen Tiefebene. Als Binnenstaat hat die Mongolei selbst keinen Zugang zu Meeren oder Ozeanen.

Den Norden durchziehen die wasserreichen Flüsse Selenga und ihre großen Nebenflüsse Ider, Orchon und Tuul. Diese entspringen im Changai-Gebirge und münden in den Baikalsee. Ebenfalls im Norden und Osten fließen der Onon und der Cherlen, die im Chentii-Gebirge entspringen und über den Amur in Richtung Pazifik entwässern, außerdem Ulds und Chalchyn. Die größten Flüsse des Ostens sind der Chowd und der Dsawchan, die beide in Richtung des abflusslosen Zentralasien fließen. Alle Flüsse der Mongolei frieren im Winter zu. Die Eisdecke kann bis zu einem halben Jahr bestehen bleiben und eine Dicke von mehr als einem Meter erreichen. Die zugefrorenen Flüsse werden im Winter häufig von Fahrzeugen als Straße benutzt. Zu den fast 4000 Seen der Mongolei gehören der 3350km² große Salzwassersee Uws Nuur und der 2760km² umfassende Chöwsgöl Nuur. Letzterer gehört zu den bedeutendsten Süßwasserseen der Welt. 95% der anderen Seen haben eine Größe von unter 5km²; 80% sind Süßwasserseen. Da sie häufig von Gletschern gespeist werden und fernab jeglicher Industriezentren liegen, sind sie fast nicht verschmutzt und besitzen ein sehr klares Wasser. Sie sind wichtige Raststationen für Zugvögel.

Die Lage im zentralasiatischen Hochland beschert der Mongolei eines der extremsten Klimate der Welt. Aufgrund des trockenen, ausgeprägten Kontinentalklimas schwanken die Temperaturen im Laufe des Jahres sehr stark: Im Winter liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei −25°C, im Sommer bei +20°C, womit die Schwankungen zwei- bis dreimal größer sind als in Westeuropa. Auch die Temperaturdifferenzen zwischen Nacht und Tag sind ungewöhnlich hoch und erreichen bis zu 32°C. Die absolute Temperaturamplitude zwischen Sommer und Winter erreicht bis zu 100K.

Nach dem Grenzübertritt machen wir in Tsagaannuur (mongolisch = weißer See) kurz Station. Diese Region wird von Darkhad bewohnt. Dieser mongolischer Volksstamm lebt hauptsächlich in der nördlichen Mongolei. Sie sind im wesentlichen dem tibetischen Buddismus zuzuordnen, wobei Schamanismus weit verbreitet ist.

Heute ist es durch die Grenzformalitäten schon spät. Wir fahren noch bis zum Göl Fluss und bauen dort unsere Zelte auf. Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet fegt ein starker, kalter Wind zum Fluss hinunter. Mit Hilfe von Günter gelingt es trotz Schwierigkeiten mein Zelt “sturmgerecht” aufzuschlagen. Wir sind auf 2.100m und stellen uns auf eine kalte Nacht ein.

Mongolei
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Das Uvs Nuur Becken

Heute reisen wir von Tsagaannuur Richtung Uvs Nuur Becken.

Das Uvs Nuur-Becken befindet sich im Nord-Westen der Mongolei und bildet an seiner nördlichen Seite die Grenze zwischen Sibirien und Zentralasien.

Den größten Teil des Beckens bedeckt der Uvs-Nuur-See, der mit einer Fläche von ca. 3 350km² der größte See der Mongolei und damit sechs Mal so groß wie der Bodensee ist. Er wird hauptsächlich aus dem Fluss Tes gespeist, der sich im Nord-Osten befindet.

Mit seinen zahlreichen seltenen Tierarten gilt das Uvs-Nuur-Becken als Biosphärenreservat und gelangte als solches 1997 in die Weltnaturerbe-Liste der UNESCO. Trotz des rauen Klimas, immerhin schwanken die Temperaturen zwischen 47 Grad im Sommer und -58 Grad im Winter, findet man hier 173 Vogel- und 41 Säugetierarten. Um den See herum erstrecken sich umfangreiche Wüsten- und Bergregionen, in denen sich eine reichhaltige Fauna mit Tierarten wie der mongolischen Wüstenrennmaus, dem Wildschaf, dem sibirischen Steinbock und dem Schneeleoparden beobachten lassen.

Umgeben von den Hochgebirgen Altai, Changai und Tarwagatai befinden sich in der Ebene weitere Seen namens Khar Us Nuur, Khar Nuur und Khyargas Nuur. Innerhalb dieser Region findet man auf engstem Raum alle in Zentralasien vorkommenden Landschaftsformen. Sandgebiete, Gebirgsformationen, Steppen und Taigavegetationen bilden reizvolle Kontraste, deren Anziehungskraft nur dadurch beeinträchtigt wird, dass dieses dünnbesiedelte Gebiet eines der in der Mongolei am schwersten zu erreichenden ist.

Den auf Tuwa liegenden Teils des Uvs Nuur Beckens hatten wir vor wenigen Tagen besucht. Jetzt findet der Besuch seine Fortsetzung in der Mongolei. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich über beide Länder hinweg.

Zunächst geht die Fahrt am Tal des Dan Gol entlang, vorbei an sommerweiden mit Schaf- und Yak Herden. Diese Region wird mehrheitlich von Kasachen bewohnt.

Wir reichen das flache Uvs Nuur Becken, das in der Eiszeit ein riesiges Meer war. Die salzigen Seen in dieser Region sind die letzten Bestandteile dieser Zeit. In der Ferne sind die Schneegipfel der Monguntaiga Kette zu sehen.

Wir durchqueren die Halbwüste und fahren am Atschit Nuur vorbei. Der Atschit Nuur ist ein Süßwassersee. Der See erstreckt sich in einem von Bergen umrahmten Tal auf einer Höhe von 1435m. Die Wasserfläche beträgt 290km². Er weist eine Längsausdehnung von 28km und eine maximale Breite von 16km auf.. Die maximale Tiefe beträgt ca. 10m. Entlang seinem Ufer erstreckt sich eine Wüstenlandschaft. Lediglich im Nordosten grenzt eine Sumpflandschaft an das Seeufer. Der See wird von mehreren Flüssen gespeist. Im Süden wird der See über den Ussun-Cholai zum Chowd Gol hin entwässert. Im Hintergrund sind die Eisgipfel der Gebirgskette Tsaagaan Shiveet (3.400m) zu sehen .Dann erreichen wir das Dorf Hotgor. Hier wird im Tagebau Steinkohle abgebaut. Ein roter Geländewagen - sieht aus wie ein Feuerwehrauto - überholt uns und stoppt. Der Bergwerksdirektor Schei Muret begrüßt mich. Wir machen uns bekannt und er erzählt, dass 140 Familien in dem Ort wohnen und fast alle im Steinkohlebergwerk arbeiten. Gern möchte er ein Foto mit mir machen, dann fährt er weiter.

Auf dem Land ist das häufigste Gericht einfaches gekochtes Schaffleisch, regelmäßig ohne jegliche weiteren Beilagen. Solche Buuds - fleischgefüllte Teigtaschen, die in Dampf gegart werden, bestellen wir uns in einem „Imbiß“. Frisch gemacht.

Über den Dajawaran Pass (2.600m) geht es weiter bis zum Ureg Nuur, einem salzhaltiger See, nahe dem westlichen Rand des Uvs Nuur Beckens. Dort schlagen wir unsere Zelte für die Nacht auf.

Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken
Uvs Nuur Becken

Am Uvs Nuur

Morgentliches Bad im klaren, weichen, erfrischendem Wasser des Ureg Nuur. Von Dima unserem Koch gibt es frisch zubereitete Kasch aus Mais, Rosinen und Nüssen. Dazu Tee.

Da mein Rücken immer noch sehr schmerzt hilft mir Günter wie jeden Tag heute wieder beim Zeltabbau. Danach machen wir uns auf den Weg durch die Steppe. Am Himmel taucht eine runde Wolke auf. Sie sieht wie ein UFO vor der Landung aus.

Über den Ulandaba Pass (Roter Pass) geht es bis auf 2.600m hoch. Auf der Passhöhe lernen wir eine Mongolenfamilie kennen. Sie laden uns zum Bier ein, das sie im Auto reichlich mitführen. Wir spendieren den Wodka dazu: Dschingis GOLD. Bevor wir Abschied nehmen zeigen sie uns ihr Können im Lasso werfen.

Wir befinden uns jetzt in einer Region die von Mongolen bewohnt wird. Vorbei geht es an Sommerweiden, die schon verlassen wurden. Jurten wurden schon abgebaut und das Vieh auf die Winterweide getrieben. Mir fällt zu früheren Besuchen in der Mongolei auf, dass die Steppenlandschaft sehr überweidet ist. Die Folge einer Vermehrung von Herden. Wenn das anhält, wird das in einigen Jahren zum ökologischem Problem.

Nach dem Abstieg vom Pass breitete sich das Uvs Nuur Becken vor uns aus. Eine Ebene soweit das Auge reicht. Fern am Horizont sieht man den See Uvs Nuur wie ein fernes Meer.

Wir machen Station im Dorf Ulaangom. In einem „Imbiß“ lassen wir uns Kuschar, Teigtaschen mit zerkleinertem Schafsfleisch und Zwiebeln, servieren . Danach gibt es Gulasch aus Schafsfleisch mit Reis.

Durch die Halbwüste fahrend, erreichen wir den Uvs Nuur. Der Uvs Nuur ist mit einer Fläche von etwa 3350km² der größte See der Mongolei. Der See friert von Oktober bis Mai ein. Im Jahr 2003 wurde das Biosphärenreservat Uvs Nuur Becken in die UNESCO-Weltnaturerbe-Liste aufgenommen. Dieses flache und sehr salzige Gewässer ist ein Rest eines riesigen salzigen Meeres, das vor einigen tausend Jahren die Region bedeckte.

Beim Zeltaufbau am Rande des Sees erhalten wir Besuch von einem mongolischen Hirten. Wir laden ihn zum Wodka ein. Er interessiert sich sehr für unsere Ausrüstung. Einige Transportbänder und Seile wechseln den Besitzer. Bevor er sich wieder auf den Weg macht, geben wir ihm noch ein paar Bananen mit.

Heute Abend wird endlich die mobile Banja aufgebaut. Nach dem Banja Bad geht es in den See und dann nach einem Dschingis GOLD in den warmen Schlafsack. Das Schnarchen meiner Reisefreunde höre ich heute nicht!!

Am Uvs Nuur
Am Uvs Nuur
Am Uvs Nuur
Am Uvs Nuur
Am Uvs Nuur
Am Uvs Nuur
Am Uvs Nuur

Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes

Der Tag beginnt mit einem Bad im salzhaltigem Uvs Nuur. Danach Haare waschen mit Süßwasser. Nur ganz wenig Wasser wird genommen. Wir müssen das kostbare Trinkwasser sparen. Zum Frühstück hat Dima wieder gezaubert. Es gibt Blini (russische Pfannkuchen) mit Syuschonk (karamellisierte Milch mit Zucker). Zu Besuch kommt der Hirte vom Vorabend. Wir laden ihn zum Frühstück ein.

Wir brechen Richtung Bayantes auf. Es geht durch eine Wüstenlandschaft. Kaum Vegetation. Eine einsame Ziege kommt uns entgegen. Weit und breit keine Herde zu sehen. Offensichtlich hat sie sich verirrt. Sie will uns nicht von der Seite weichen.

Wir fahren durch die Wüste und erklimmen ein paar Sanddünen auf der Südseite des Uvs Nuur. Dass die Wüste lebt, zeigt sich an Eidechsen die wir entdecken. Ebenso an einer Herde Wildkamele an denen wir vorbeiziehen.

Mitten im Nirgendwo kommen wir an Nomaden vorbei. Die ganze Familie schert Schafe. Wir sind eine willkommene Abwechslung. Wir teilen unsere Nüsse und Rosinen mit ihnen. Sie laden uns zum Airag (vergorene Stutenmilch) und frischem Schafs- und Ziegenkäse ein. Dann kommt noch der Lokalschnaps Archi aus der Satteltasche.

Zur Freude aller singe ich zum Schnaps ein deutsches Trinklied, das ich noch 2mal wiederholen darf. Nach 3 Liedern und 3 Schnaps gebe ich auf.

Über den Sungow Pass (998m) verlassen wir das Uvs Nuur Becken und erreichen das Dorf Sugow. Hier gibt es endlich Netzempfang um Kontakt mit daheim aufzunehmen.

Dann geht es weiter durch die Wüste. Ein paar Mal bleiben wir im Sand stecken. Wir erreichen das Dorf Barun Turun und bauen dort unser Zelte am Fluss auf. In der Dämmerung ziehen Schwärme von Kranichen über uns hinweg. Sie machen sich auf den Weg zu ihren Sommerquartieren.

Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes
Vom Uvs Nuur Richtung Bayantes

Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes

Mir gegenüber sitzt ein Steppenadler. Er schaut mir beim morgendlichen Bad im Fluss interessiert zu.

Verbände mit mehrere hundert Gänsen fliegen über mir hinweg. Sie sammeln sich auf ihrem Weg von Sibirien ins warme China.

Wir fahren durch eine Halbwüste. Links ist die Sanddünenlandschaft Delyn Els zu sehen. Nach der Wüstenlandschaft kommen wir in ein Steppengebiet. Hier sehen wir das Weizen angebaut wird. Das Anbaugebiet wirft nur wenig Ertrag ab. Der Weizen wird in die Republik Altai exportiert. Ein alter Jenissei Mähdrescher aus Sowjetzeiten und ein altertümlicher weißrussischer Traktor stehen auf dem Feld. Beide funktionieren immer noch.

Die Landschaft verändert sich. Erste Sanddünen mit Nadelbäumen tauchen auf.

Wir durchqueren eine weitere trockne Steppenlandschaft mit Stipa Grass. Für Schafe ist dieses Gras nicht geeignet, deshalb sehen wir auch nur Rinderherden. Vereinzelt sind auch Jurten zu sehen.

Es folgt dann eine Halbwüstenlandschaft und mit ihr auch wieder Schaf- und Ziegenherden.

Am Fluss Tes legen wir eine Pause ein, um das schöne Bergpanorama zu betrachten. Die Sanddünen die an den Bergen zu kleben scheinen, sind seit tausenden von Jahren durch den Wind vom Altai hier her getragen worden.

Am Fluss Tes bauen wir unser Nachtlager auf.

Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes
Vom Dorf Barun Turun zum Fluss Tes

Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön

Heute Nacht haben wir am Fluss Tes übernachtet. Der Tes ist ein 568km langer Zufluss des Uvs Nuur in der Mongolei und in der zu Russland gehörenden Republik Tuwa. Innerhalb der Mongolei ist der Tes 430km lang und damit der elftlängste Fluss des Landes. Der Tes fließt auf seiner gesamten Länge in westlichen, teils nordwestlichen Richtungen durch die Steppen- und Halbwüstenlandschaften der nordwestlichen Mongolei.

Mein Fahrer Andrej hat heute Frühstück gemacht. Es gibt gebratene Haferflocken mit gehackten Zwiebeln und Ei.

Der Himmel ist bewölkt und es weht ein starker Wind. Heute Nacht gab es ein paar Tropfen Regen. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Wir brechen auf und fahren an Nadelwälder mit sibirischen Lärchen, Tannen, Fichten vorbei. Es fällt auf, dass die Nadelwälder immer nur an den Nordhängen der Bergrücken zu finden sind. Mir wird erklärt, dass dies mit den Feuchtigkeitsstufen an den Bergen zusammenhängt. Eine Kamelherde mit einem weißen Kamel zieht vorbei. Der Bulle geht beim Näherkommen in Angriffsstellung.

Die Sommerweiden sind schon ziemlich abgegrast. Viele Jurten sind abgebaut und die Nomaden haben sich auf den Weg zu den Winterweiden gemacht.

Wir überqueren den Tsetserleg Pass (1.700m) und kommen zum gleichnamigen Dorf

Tsetserleg, der Hauptstadt des Archangai-Aimag (Provinz) in der Mongolei. Sie liegt in den nordöstlichen Ausläufern des Changai-Gebirges 1691m. ü. M. unweit des Chorgo Terchiin Tsagaan Nuur Nationalparks.

Auf unserem weiteren Weg durch die Steppe treffen wir einen einsamen Wanderer mit voller Ausrüstung. Er ist Lette und hat sich von London aus zu Fuß auf eine Wanderung um die Welt gemacht. Von der Mongolei geht es für ihn weiter nach China als nächste Etappe. Wir geben ihm Wasser und Schokolade. Nach einem Schwätzchen auf englisch trottet er munter weiter.

Der Wind wird immer stärker. Wir haben Rückenwind und können manchmal vor Staub die Hand nicht vor Augen sehen. Das Bad heute Morgen im Fluss war sinnlos. Der Staub gelangt überall hin. Auch ins Gepäck. Beim Auspacken in Deutschland ist ein mongolisches Souvenir sicher.

Gegen Mittag machen wir im Dorf Zann Rast. Wir bestellen uns Gulasch aus Schaffleisch mit Reis.

Bei der Weiterfahrt in der Steppe begegnen uns Schwarze Geier, die sich über ein totes Rind hergemacht haben. Wir überqueren den Khukh Khutul Pass (1.835m). Am Ovo treffen wir mit einer mongolischen Familie zusammen die uns zu Wodka und Trockenkäse einladen. Danach fahren wir den Delger mörön Fluss entlang. Irgendwo am Fluss bauen wir unsere Zelte für die Nacht auf.

Der Delger mörön ist ein 445km langer Quellfluss der Selenga in der Mongolei. Das Einzugsgebiet des Delger mörön ist etwa 26.600km² groß. Der Fluss ist alljährlich von Oktober oder November bis Mitte oder Ende April von Eis bedeckt. Im Fluss leben aus der Familie der Lachsfische zum Beispiel Äschen, Forellen und Taimen.

Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön
Vom Fluss Tes zum Fluss Delger Mörön

Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See

Heute folgen wir zunächst dem Flusslauf des Delger Mörön. Es geht durch Nadelholzwälder. Leider ist der Himmel ein wenig bedeckt, so dass die Farben der sibirischen Lärchen nicht im Sonnenschein glänzen können. Trotzdem: Ein stimmungsvolles, tolles Bild in grün / gelb.

Über den Ulaan Bogj Pass (1.650m) geht es Richtung Mörön, wo wir unsere Vorräte auffrischen.

Hinter Mörön verlassen wir die Piste und fahren auf einer asphaltierten Straße. Doch das „Ruckeln“ geht weiter. Der Permafrost wellt über große Strecken die Fahrbahn.

Wir durchfahren ein Tundra Gebiet mit gelb/goldenen Nadelwäldern. Die Natur bereitet sich schon auf den Winter vor.

Dann erreichen wir den kleinen Bruder des Baikal, den Khuvsgul See, den ich bereits auf einer Winterreise 2009 besucht hatte. Damals war ich mit dem Pferdeschlitten über den zugefrorenen See zu den Rentiernomaden gereist. Seitdem hat sich hier viel verändert. Zahlreiche Gercamps sind entstanden. Wir werden heute in einem dieser Caps an der Ostseite übernachten. Endlich warmes Wasser, eine Dusche und ein Bett. Trotzdem nehme ich mir vor am nächsten Morgen ein Bad in dem klaren See zu nehmen. Eine geeignete Stelle suche ich mir schon jetzt.

Der Khuusgul ist der zweitgrößte See des Landes nach der Fläche (hinter dem Uws Nuur) und der größte nach dem Volumen. Umgangssprachlich wird er auch „Mutter Meer“ genannt. Der See ist 136km lang, zwischen 20 und 40km breit und maximal 262m tief. Damit ist er der tiefste See des Landes. Nach dem Baikalsee bietet er das zweitgrößte Süßwasser-Reservoir Asiens mit 70% des Trinkwasser-Vorkommens in der Mongolei und 0,4% des weltweiten Trinkwasservorrats. Sein mittlerer Wasserspiegel liegt auf 1624m Höhe. Vier teilweise bewaldete, teilweise felsige Inseln befinden sich im See und bieten vielen Vögeln Brut- und Nistplätze. Die größte ist 9km lang und 6km² groß. Der See ist von Lärchenwäldern, Gebirgszügen und Bergketten umgeben. Der höchste Berg ist der Munku Sardyk (3492m), dessen Gipfel sich nördlich des Sees direkt auf der russisch-mongolischen Grenze erhebt.

Im Winter friert der See komplett zu. Die Eisdecke wird dann 1–1,5m stark, so dass sie auch LKWs trägt, weswegen für einige Transportrouten Abkürzungen auf dem Eis genutzt werden. Es kommt aber immer wieder mal zu Einbrüchen, so dass nach Auskunft der Einheimischen einige Fahrzeuge am Grund liegen.

Viele Nomaden schlagen ihr Sommerlager am Ufer des Sees auf und versorgen die Touristencamps mit Milchprodukten, Kunsthandwerk und Reittieren und bieten ihre Dienste als Führer an. Auch einige Familien der sonst eher zurückgezogen und viel weiter nordwestlich jenseits der Hochebene lebenden tuvinischen Rentierzüchter, die von den Mongolen „Tsaatan“ oder „Rentierleute“ genannt werden, sich selber aber lieber als „Taigaleute“ bezeichnen, schlagen ihr Sommercamp auch in der Nähe des Sees auf. Bei ihnen kann man Schamanistische Rituale gegen „Bares“ bewundern. Im Winter ziehen die Nomaden in die geschützteren Täler der umgebenden Gebirge.

Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See
Vom Delger Mörön zum Khuvsgul See

Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant

Wir verlassen heute das Ostufer des Khuvsgul Sees. Die Sonne lacht wieder. Das hebt nicht nur die Stimmung. Auch der See und die Wälder erscheinen in einem schönen, morgentlichen Licht. Über dem See fegt ein leichter Wind. Die Wellen sehen sehr kräftig aus und schlagen gegen die felsige Küste. An ein morgentliches Bad ist nicht zu denken.

Wir fahren die „Piste“ Richtung Khatgal. Die Strecke wurde zur Zeit der Sowjetunion gebaut. Als Knüppeldamm durch den Sumpf. Dieser Knüppeldamm ging bis an die russische Grenze und war ein militärischer Nachschubweg. Auf dieser Strecke kommen wir nur im Schritttempo voran. Bei Khatgal gibt es einen kleinen Hafen und ein schönes Flussdelta im Übergang zum See.

Wir fahren über den Zagan Burgassin Pass (2.440m) durch das Changai Gebirge, ein Hochgebirge in der zentralen Mongolei. Es hat eine Ausdehnung von rund 500km in Ost-West-Richtung und bis zu 300km in Nord-Süd-Richtung. Es erhebt sich aus dem mongolischen Hochland und fällt nach Nordosten über das Idertal in das weitläufige Tal der Selenge ab. In Richtung Osten und Südosten schließt sich die Wüste Gobi an. Im Süden leiten Hochlandbereiche zum Gobi-Altai über, im Westen solche zum Mongolischen Altai und zum Russischen Altai. Im Nordwesten erhebt sich jenseits des Tals des Tes das Tannu-ola-Gebirge. Der höchste Berg des Changai-Gebirges ist der Otgon Tenger Uul, mit einer Höhe von 4008m. Im Gebirge entspringen unter anderem die Flüsse Tschuluut, Dsawchan Gol, Ider, Ongi, Orchon und Tes. Der Changai ist eine relativ wasserreiche Region innerhalb der Mongolei und eines der am dichtesten besiedelten Gebiete des Landes außerhalb der Hauptstadtregion von Ulaanbaatar.

An den Nordhängen der Berge sehen wir Nadelwälder und an den Südhängen Graslandschaften.

Wir finden heute keinen geeigneten Zeltplatz am Wasser. Wir entschließen uns zu fragen ob wir in einem Gercamp Jurten bekommen. Wir haben Glück. Ein bereits geschlossenes Camp öffnet für uns.

Von den Bergen her ist heute Nacht das Heulen der Wölfe zu hören. Die Hunde im Camp bellen daraufhin um die Wette.

Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant
Vom Khuvsgul See Richtung Jargalant

Zum Terchin Tsagaan Nuur

Über den Scheninjinder Pass (2050m), den Jaraglant Pass (1.675m) fahren wir nach Jargalant. Vor dem Ort machen wir am Fluss eine Pause. Die letzte Schneeschmelze hat die Brücke über den Fluss zerstört.

Über den Orochin Pass (2.350m) geht es weiter. Wir können uns nicht genug satt sehen an den schönen Herbstfarben der Wälder. Wir erreichen den Terchin Tsagan Nuur. Der Terchin Tsagan Nuur liegt auf einer Höhe von 2080 Metern, ist aber trotzdem ein recht warmes Gewässer und kann im Hochsommer durchaus 20 Grad Wassertemperatur haben, zudem ist er sehr fischreich. Die Kulisse für den See bildet im Norden der Hauptkamm des Tarwagatai, der hier mit dem Chutag Berg sehr schnell seine Höhe von 3130 Metern erreicht, der Vulkankegel selbst ist nur etwa 220 Meter höher als der See. Die Lavabrocken des ehemaligen Vulkans sind aber 40 Kilometer weiter am Tschulut Fluss auch noch zu finden. Der Fluss hat sich hier bis zu 60 Meter tief in das Gelände eingeschnitten und bildet einen beeindruckenden Canyon, genauso wie sein Nebenfluss, der Sumiin, der Abfluss des Terchin Zagaan Nuur.

Wir bauen am Ufer unsere Zelte auf. Als die Sonne untergeht, wird es bitterkalt.

Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur
Zum Terchin Tsagaan Nuur

Chorgo Krater und heiße Quellen

Über Nacht ist der Tau auf meinem Zelt zu Eis gefroren. Heute Nacht war es so kalt, das ich noch Hemd und Hose angezogen habe, bevor es in den Schlafsack ging.

Der Sternenhimmel heute Nacht war ein Erlebnis für sich. Die greifbar nahe Milchstraße und die Vielzahl der Sterne entschädigen für das Verlassen des warmen Schlafsacks.

Auf dem Weg zum Vulkan Khorgo treffen wir 2 junge Hamburgerinnen auf Weltreise. Sie haben sich ein Jahr frei genommen um die Welt zu erkunden. Toll!!!

Eine Herde Steppenhühner scheuchen wir am Wegesrand auf. Dann fahren wir in den Nationalpark ein. Der Krater und die Lavafelder sind schon von weitem zu sehen. Schwarze Lava und gelbe Bäume: Ein schönes Bild.

Der Nationalpark Chorgo Terchiin Tsagaan Nuur bedeckt eine Fläche von 773km². Er ist benannt nach dem erloschenen Vulkan Chorgo, dessen Umgebung bereits 1965 unter Schutz gestellt wurde, sowie nach dem See Tsagaan Nuur. Das Schutzgebiet wurde 1995 erweitert und zu einem Nationalpark erklärt. Der Kegelvulkan Chorgo erreicht zwar eine Höhe von insgesamt 2240m ü.d.M., überragt seine Umgebung jedoch nur um einige Hundert Meter. Sein Name bedeutet übersetzt „Weißer See“, er beruht auf der Tatsache, dass der See bis Ende Mai von Eis bedeckt ist. Man kann ihn besteigen und in den rund 100m tiefen und 200m breiten Krater sehen. Vom Krater aus erkennt man zwei Nebenkrater des Vulkans sowie um den Vulkan herum ein ausgedehntes Lavafeld, das bei dem letzten Ausbruch vor 7700 Jahren entstand und bis heute nur spärlichen Bewuchs aus Lärchen und Sträuchern aufweist. Im Bereich des Lavafeldes befinden sich mehrere Höhlen, um die sich Sagen und Legenden ranken, z.B. die „Höhle des Gelben Hundes”.

Wir besteigen den Vulkan und blicken beeindruckt vom Kraterrand in das Kraterinnere. In der Ferne sehen wir nach dem Lavafeld den blaufunkelnden Terchin Tsagaan Nuur.

Wir verlassen den Natinalpark. Ab dem Ort Tariat gibt es wieder eine asphaltierte Straße. Unterwegs besuchen wir die Tsulutin Gol Schlucht.

In Tsertseleg verlassen wir die Teerstraße um zu den heißen Quellen des Khangai Camps zu fahren. Der Weg ist nicht einfach zu finden. Ein Mongole führt uns mit seinem Motorrad vorneweg hin.

Vor dem Abendessen legen wir uns in die verschiedenen heißen Wasserbecken. Eine Wohltat und gesund!!!

Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen
Chorgo Krater und heiße Quellen

Ugi Nuur

Der Morgen beginnt mit einem Bad in den heißen Quellen des Khangai Camps.

Über die Berge geht es zurück nach Tsetserleg. Wir stoppen kurz am gleichnamigen Fluss. Dann geht es ca. 60km weiter über eine Teerstraße. Dann biegen wir ab Richtung Ug Nuur. Wir fahren durch die Steppe, die teilweise mit Sanddünen durchzogen sind. Wir sehen Geier über einer Schafherde kreisen. Nach vielen Stunden erreichen wir das Dorf Ungi Sum. Dann liegt der Ugi Nuur vor uns. Ein wundervoller Sonnenuntergang taucht den See in purpurne Farben. Sehr stimmungsvoll.

Wir bauen unsere Zelte in einem Meer von Wermutsträuchern auf. Die ganze Nacht umweht mich der Duft.

Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur
Ugi Nuur

Orchon Tal

Mein morgentliches Bad habe ich wieder im See zelebriert. Ein Hirtenhund saß am Strand und schaute die ganze Zeit verwundert und interessiert zu.Das Wasser im Ugi Nuur war nicht so kalt wie in den Bergen. Kein Wunder, der See liegt ja auch 1.300m tiefer. Nach ein paar abschließenden Schwimmzügen geht es zum Frühstück.

Meine ganze Kleidung duftet nach Wermut, da mein Zelt die letzte Nacht in einem Meer von Wermutsträuchern aufgebaut war.

Wir fahren Richtung Charchorin. Unterwegs beobachten wir wie 2 Bullen um die Vorherrschaft in der Rinderherde kämpfen. Steppenadler sind zu sehen.

Wir besuchen das Museum Khöshöö Tsaidams mit türkischen Denkmälern, bestehend aus vier Gedenkgruppierungen, zu erwähnen sind vor allem jene, die zu Ehren von Bileg Khan, dem berühmten Politiker aus dem osttürkischen Reich (734) und dessen jüngeren Bruder Kul Tegin (731), Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte, errichtet wurden. Khöshöö Tsaidam ist das bedeutendste archäologische Überbleibsel des türkischen Reiches, welches sich zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert über Zentralasien erstreckte. Die auf die Stelen geschriebenen Informationen, erwiesen sich als sehr wertvoll, um die Geschichte und die Kultur Zentralasiens zu studieren.

Vom Museum aus führt eine 45km lange Teerstraße nach Kharakorum, die von der türkischen Regierung gebaut und finanziert wurde. Auf ihr fahren wir bis zum Kloster Erdene Dsuu.

Das Kloster Erdene Dsuu befindet sich in der zentralen Mongolei, im Öwörchangai-Aimag, vor den Toren der Stadt Charchorin, nahe dem ehemaligen Karakorum, der Hauptstadt des mittelalterlichen Mongolenreiches. Erdene Dsuu war das erste buddhistische Kloster des Buddhismus in der Mongolei. Es wurde 1586 von Abtai Sain Khan, einem Fürsten der Chalcha-Mongolen, gegründet. Benannt ist es nach einem Bild einer Gottheit, das im Kloster aufgestellt war. In der etwa 400 mal 400 Meter großen Klosteranlage lebten über 1000 Mönche. Die Bauzeit dauerte über 300 Jahre. Zwei Mal, im 17. und 18. Jahrhundert, wurde das Kloster bei Kämpfen stark beschädigt und in den Jahren 1760 bis 1796 und 1806 bis 1814 wieder auf- und ausgebaut. Innerhalb seiner quadratischen Außenmauer sollen sich auf dem großen Areal im Jahre 1870 etwa 62 Tempel im chinesisch-mongolischen Mischstil befunden haben. Zum Teil besteht Erdene Dsuu aus den Steinen der alten Hauptstadt Karakorum. 1937 wurde das Kloster während des stalinistischen Terrors in der Mongolei fast vollständig vernichtet. Von der einstigen Anlage sind heute nur die imposante, von 100 Stupas gekrönte Mauer aus dem 17. Jahrhundert und vier Tempel erhalten. Nach 1990 wurde Erdene Dsuu wieder als Kloster in Betrieb genommen und einige Gebäude mit erheblichem Aufwand restauriert.

Vor dem Kloster lasse ich mich in der Rüstung eines mongolischen Postreiters fotografieren. Mit dem obligatorischen Adler auf dem Arm.

Danach fahren wir weiter nach Charchorin. Der Ort liegt im Tal des Orchon-Flusses. Die Kulturlandschaft des Tales wird zum UNESCO-Welterbe gezählt. In dieser Gegend treffen die östlichen Ausläufer des Changai-Gebirges auf die Grassteppen der zentralen Mongolei.

1235 ließ Dschingis Khan im Orchon-Tal die Hauptstadt der Mongolen bauen, eine prachtvolle Palastanlage mit gepflasterten Straßen und luxuriösen Empfangshallen, die Voraussetzung für den ersten mongolischen Staat. Im Orchon-Tal lag das Verwaltungszentrum für ein Imperium, das vom Pazifik bis zum Mittelmeer reichte. Ein internationales Team von Wissenschaftlern sucht heute nach dem Palast des Großkhans. Vermutlich wurde auf seinen Ruinen 1586 das erste buddhistische Kloster der Mongolei gebaut.

Wir fahren auf einen Aussichtshügel mit einem Monument das an die Zeiten des mongolischen Weltreiches erinnert. Ein schöner Blick auf das Tal und den Orchon Fluss belohnt den Aufstieg.

Am Abend übernachten wir am Orchon Fluss. Plötzlich kommt eine mongolische Familie und lädt uns zum Wodka ein. Dann fährt das Familienoberhaupt kurz weg und kommt mit einem 50 Liter Kanister Airag wieder. Die ersten 3 Runden mache ich noch mit, dann verziehe ich mich still und heimlich in mein Zelt. Meine Reisefreunde Günter und Johann haben mehr „Stehvermögen“. Es wird eine lange Nacht... wie man hört!

Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal
Orchon Tal

Vom Orchon Fluss zur Mongol Els

Günter und Johann kommen von dem mongolischen Familienfest erst spät zurück. Im Laufe der Nacht kommt Wind auf. Er pfeift durch das Tal und schüttelt das Zelt hin und her. Morgens mag ich aus dem warmen Schlafsack nicht raus. Doch ich muss in den Fluss, um wieder nach dem Wodka und Airag gestern Abend einen klaren Kopf zu bekommen.

Dima unser Koch hat zum Frühstück Blini (russische Pfannkuchen) gemacht. Dazu gibt es selbst gemachte Marmelade aus Schwarzbeeren. Lecker!!

Danach geht es zum Fluss Geschirr waschen. Durch den starken Wind fühlt sich das Wasser doppelt so kalt an. Grund genug für einen doppelten Wodka: Dschingis Platinum – der Beste!

Dann fahren wir ein Stück den Orchon Fluss entlang. Der Orchon (manchmal auch Orkhon) ist ein 1124km langer, südwestlicher bzw. rechtsseitiger Zufluss der Selenga im Norden der Mongolei. Er ist der längste Fluss der Mongolei. Seine Quelle liegt im Ostteil des Changai-Gebirges am Berg Suwraga-Chairchan (3179m) im Changai-Nuruu-Nationalpark. Anfangs verläuft der Fluss im Öwörchangai-Aimag nach Südosten, um sich kurz darauf nach Nordosten und dann nach Norden zu wenden, wobei ihm der Tamir zufließt. Etwas später schlägt er östliche Richtung ein, wobei er im Bulgan-Aimag in großen Windungen fließt. Dann erreicht er den Selenge-Aimag und verläuft etwas nach Einmündung des Tuul durch den in diesem liegenden Darchan-Uul-Aimag und danach wieder durch den Selenge-Aimag, in dem er sich nach Nordosten wendet. Kurz vor der russischen Grenze mündet der Orchon direkt unterhalb von Süchbaatar in die Selenga, die von dort überwiegend nordnordostwärts verlaufend dem Baikalsee zufließt.

Ein 1220km² großer Bereich des Orchon-Tals wurde von der UNESCO 1994 unter dem Eintrag “Orkhon Valley Cultural Landscape" in die Liste der Stätten des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen. Ein auf zehn Jahre angelegter Managementplan zum Schutz und zur Entwicklung der Region wurde mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Welterbe aufgelegt.

Wir fahren das Tal auf seiner rechten Seite entlang, müssen aber nach 2 Stunden feststellen das der Weg zur nächsten Brücke zu zeitaufwendig sein wird. Wegen der schlechten Piste kommen wir nur im Schritttempo voran. Ein übersetzen über den Fluss ohne Brücke ist nicht möglich. Der Orchon führt zu viel Wasser und ist sehr reißend. Wir entschließen uns zurück zu fahren und ab Charchorin die Teerstraße bis zu den Sanddünen Mongon Els zu nehmen.

Dort angekommen, wollten wir eigentlich auf Kamele umsteigen. Doch der Himmel verdunkelt sich schlagartig. Von den Bergen ziehen dunkle Wolken Richtung Wüste auf. Schnell machen wir unsere Zelte sturmfest. Dann bricht der Sandsturm los...

Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els
Vom Orchon Fluss zur Mongol Els

Von der Mongon Els nach Ulaanbaatar

Das Wetter meint es nicht gut mit uns. Die ganze Nacht tobt ein Sandsturm um uns herum. Bis ca. 1 Uhr in der Nacht. An Schlaf nicht zu denken. Es stürmt so stark das ich mein Gepäck aus dem Vorzelt ins Innenzelt hole um den Zeltboden zu beschweren. Ich presse mich an die Zeltwand als Barriere. Ich liege im Schlafsack, die Kapuze übergezogen. Doch der Sand kommt durch jede noch so kleine Ritze. Zu allem Überfluss fängt es ab 1 Uhr auch noch an zu regnen. Ein kräftiger Schauer folgt dem andern bis ca. 4.Uhr morgens. Dann setzt der Sturm wieder ein.

Am Morgen ist das ganze Zelt voller Sand. Ich hätte auch direkt in der Düne schlafen können. Regen und Wind hören nicht auf. Trotz dieser widrigen Bedingungen müssen wir das Lager abbrechen. Alles voller klebrigem, nassen Sand. Nichts ist mehr sauber und trocken. Von unseren Kamelen ist weit und breit nichts zu sehen. Sie haben sich wohl an einen geschützten Ort zurückgezogen. Naja, an einen Umstieg auf die Karawane ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken, zumal das Wetter so bleiben soll.

Wir fahren auf der Asphaltstraße ca. 250km nach Ulaanbaatar. Der Himmel bleibt bedeckt und kalt. Im Hotel wird lange und kräftig geduscht. Das Gepäck und die Kleidung notdürftig vom Sand und Staub gereinigt.

Heute Abend verabschieden wir uns von unserem Team. Sie reisen morgen zurück nach Barnaul. Rund 2.000km ist der kürzeste Weg. Gemeinsam trinken wir Bier, Wein und... Dschingis. Schön war es.

Wer eine gute Reisebetreuung  im sibirischen Altai und nach Tuwa braucht, hier mein Tipp: http://www.altai-guide.ru/. Dima hat ein perfektes, zuverlässiges Team. Teile der Homepage gibt es auch auf Deutsch. In jedem Fall wird Andrej mit Interessenten auf Deutsch kommunizieren können: info@altai-guide.ru.

Insgesamt waren wir 4.250km unterwegs. Meist Off-Road, nur ca. 1.400km auf asphaltierten Straßen.

Unsere Reiseroute
Postreiter
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Von der Mongon Els nach Ulaanbaatar
Von der Mongon Els nach Ulaanbaatar
Von der Mongon Els nach Ulaanbaatar
Von der Mongon Els nach Ulaanbaatar
Von der Mongon Els nach Ulaanbaatar
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Rolf
Büttner

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